Die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e. V. (ZDS) ist seit 75 Jahren die zentrale Institution für die Aus und Weiterbildung in der Süßwarenindustrie. Als moderner Bildungsträger fokussiert sie sich auf die Schulungs und Informationsbedürfnisse. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der praxisnahen Aus und Weiterbildung, die sich an den betrieblichen Herausforderungen orientiert. Neben der Ausbildung zum Süßwarentechnologen und zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik werden Lehrgänge für Maschinen und Anlagenführer und Industriemeister sowie zahlreiche Workshops, Seminare und Kongresse angeboten.
Sweets Processing: Wann wurde die ZDS gegründet und was war die Motivation dafür?
Andreas Bertram: Die ZDS wurde am 28. Januar 1951 in Dortmund gegründet. Jahrzehntelange Überlegungen gingen dieser Entwicklung voraus, ini-tiiert durch die Industrialisierung und Weiterentwicklung der Herstellprozesse von Süßwaren. Die Produzenten erkannten, dass die notwendige Fachkompetenz der Mitarbeiter für die industrielle Herstellung sich grundlegend von der handwerklichen Herstellpraxis unterschied. Geeignete Fachkräfte waren auf dem Arbeitsmarkt nicht ausreichend verfügbar. Dies führte zur Idee einer Lehrwerkstatt, einer zentralen Süßwarenfachschule mit Internat. Der Gedanke der Zentralisierung hatte gute Gründe, denn eine solche Form der Ausbildung schuf die Möglichkeit, alle Auszubildenden mit einem vergleichbaren Bildungsabschluss auszustatten. Zudem wollte man diesen ganzheitlichen Ansatz in der Förderung der jungen Menschen im Internat etablieren. So arbeiten heute bis zu zehn Sozialpädagogen an der ZDS, um die Betreuung nach dem Schulunterricht zu gewährleisten. Der Grundstein für die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Süßwarenfachleute war gelegt. Eine Entscheidung, die noch heute von der Weitsichtigkeit der Gründungsunternehmen zeugt.
sp: Auf welche Weise bereitet sich die ZDS auf Entwicklungen vor?
Bertram: Als moderner Bildungsträger räumt sie der Digitalisierung eine große Bedeutung ein. Dies gilt sowohl für digitale Lernformate und innovative Lehrmethoden als auch für die moderne Ausstattung in unseren Technika. So finden neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung regelmäßig Einzug in den Lehrplan und werden in der Erwachsenenweiterbildung im Rahmen von Seminaren und Kongressen thematisiert. Als Netzwerk- und Kooperationspartner versteht sie sich als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Wissenschaft, indem sie praxisnahes Wissen vermittelt und den Austausch innerhalb der Branche fördert
sp: Welche Bedeutung haben Internationalisierung und Globalisierung?
Bertram: Wir verstehen uns als Talentschmiede und zentrale Ausbildungsstätte für die deutsche Süßwarenindustrie. Wir wollen durch eine moderne und zeitgemäße Ausbildung die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Branche durch gut ausgebildete Nachwuchskräfte aktiv unterstützen. Der Austausch mit Süßwarenherstellern und Experten fördert die Weiterentwicklung der gesamten Branche. Hierfür stellt die ZDS Kommunikationsplattformen wie Seminare und Kongresse zur Verfügung.
sp: Welche Trends prägen die Süßwaren und Lebensmittelbranche?
Bertram: Zu den Trends zählen das steigende Ernährungs und Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher, insbesondere die Nachfrage nach pflanzenbasierten Zutaten und Proteinanreicherung in einer Vielzahl von Lebensmitteln. Zudem stehen funktionalisierte Süßwaren, die einen gesundheitlichen Mehrwert bieten, im Fokus. So sind Riegelprodukte als das Convenienceprodukt für unterwegs als Trend wahrnehmbar. Aus der Perspektive der Produzenten führt der zunehmende Druck durch Personal, Energie und Rohstoffkosten zu Bemühungen, die Effizienz der Produktion zu erhöhen. In diesem Zusammenhang werden neben dem Fokus Automatisierung wieder Reworklösungen und Rohstoffalternativen gesucht, insbesondere bei der Herstellung von Produkten mit Zutaten wie Schokolade und Haselnüssen. Hinzu kommen die neue EU-Verpackungsverordnung und die damit verbundene Zielsetzung der Steigerung der Recyclingquote für Verpackungs materialien, welches die Umstellung auf Monofolien und faserbasierte Verpackungslösungen bedingt.
sp: In welcher Form spiegeln sich diese Trends in der Aus und Weiterbildung wider?
Bertram: Die ZDS begleitet die aktuelle industrielle Entwicklung der Branche durch verschiedene Bildungsangebote. In der Erwachsenenweiterbildung dominieren Workshops, Praktika, Seminare und Kongresse. Zudem werden individuelle Schulungsmaßnahmen und Projekte mit Mitgliedsunternehmen sowie Kooperationspartnern regelmäßig umgesetzt. So hat die ZDS im letzten Jahr mehr als 20 individualisierte Schulungsmaßnahmen mit Unternehmen durchgeführt und den 1. Europäischen Riegelkongress ausgerichtet. Die staatliche Ausbildung berücksichtigt neue technologische Entwicklungen und Forschungsergebnisse eher zeitverzögert. In der Berufsschule steht die Vermittlung von Grundlagen im Fokus. Der Lehrplan der staatlichen Ausbildung berücksichtigt daher Trends traditionell etwas später.
sp: Welche baulichen Maßnahmen wurden im Laufe der Zeit umgesetzt?
Bertram: Die fortwährende Weiterentwicklung bedingte den Ausbau der Infrastruktur als Bildungsträger. In dem Zeitfenster der letzten 20 Jahre wurde intensiv in den ZDS-Campus investiert, um eine moderne Lernumgebung zu schaffen. Hierbei sind der Neubau der beiden Jugendwohnheime, Mensa, Ausbau und Modernisierung der Bestandstechnika, Neubau eines Lebensmitteltechnikums sowie eines Qualitätssicherungslabors zu erwähnen. Auch die Klassenräume wurden modernisiert. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung im Bildungsbereich wurden in allen Klassenräumen interaktive Whiteboards installiert. Ein besonderer Meilenstein war im letzten Jahr die Komplett renovierung unseres großen Hörsaals, einschließlich neuer Akustikdecke, Bestuhlung sowie LED-Präsentationstechnik mit Internetanbindung.
sp: Mit welchen strategischen Schritten positionieren Sie sich für die Zukunft?
Bertram: Die ZDS verfolgt die strategische Ausrichtung als moderner Bildungsträger für die Süßwaren und Lebensmittelindustrie. Hierbei richtet sie ihre Bildungsangebote an den Aus, Weiterbildungs und Informationsbedürfnissen der Branche aus. Im direkten Dialog mit der Industrie entwickelt sie bedarfsgerechte Formate für die Kunden. Hierbei können ZDS-Mitgliedsunternehmen besondere individualisierte Angebote erhalten. Aufgrund der technischen Voraussetzungen sind Formate in Online, Hybrid und Präsenz möglich. Als herausragendes Differenzierungsmerkmal gegenüber anderen Bildungsanbietern verfügt die ZDS über fünf Technika, in der sie die industrielle Praxis mit Pilotanlagen darstellen kann. Wir möchten die ZDS-Absolventen ihr ganzes berufliches Leben begleiten, getreu dem Motto „Einmal ZDS, Immer ZDS“.
sp: Viel Erfolg bei der Realisierung der nächsten Ideen und Vorhaben.